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Fahrradbremsen

Die wichtigsten Fahrradbremsen auf einen Blick

Unfälle im öffentlichen Verkehr entstehen oft unangekündigt: Völlig überraschend taucht ein anderer Verkehrsteilnehmer auf oder jemand verliert für einen kurzen Augenblick die Konzentration. In so einer Situation geht es um wenige Sekundenbruchteile. Die Qualität und Art der Fahrradbremsen entpuppt sich dann rasch als Achillesferse.

Selbst vorausschauende Fahrweisen schützen nicht immer vor einem drohenden Crash. Besonders gefährdet sind Fahrradfahrer, die nahezu ungeschützt im Falle einer Kollision mit Kraftfahrzeugen oder anderen Objekten immer den Kürzeren ziehen. Nicht weniger riskant sind steile Abfahrten, unwegsames Gelände oder ruppiges Regenwetter.

Neben angemessener Schutzkleidung für Fahrradfahrer gelten starke Fahrradbremsen in vielen Fällen als wichtigste Lebensversicherung. Sie können schwere Blessuren verhindern, Leben retten oder auch im ungünstigsten Fall das Unglück durch unzureichende Leistung provozieren. Besonders brisant stellt sich die Lage für Radsportler und deren extreme Geschwindigkeiten dar.

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Die Technik hinter Fahrradbremsen

Vor allem Anfänger wissen Angebote häufig beim Fahrradkauf nicht einzuschätzen. Zu groß ist die technische Wissenslücke. Zahlreiche Sonderangebote verlocken zusätzlich zum spontanen Erwerb eines Schnäppchens. Doch zwischen soliden und von der Qualität bedenkenlosen Produkten existieren immer wieder schwarze Schafe. Der beste Schutz: Information über gängige Bremstechnik, wo diese Anwendung findet und welche Vorzüge und eventuelle Nachteile diese mit sich bringen. Die Fahrradbremsen Bremsentypen lassen sich in folgende Grundtypen zusammenfassen:

  • Felgenbremsen
  • Nabenbremse
  • Rücktrittbremsen
  • Rollen- und Trommelbremsen

Felgenbremsen

Die Felgenbremse verrichtet in äußert vielen Fahrrädern ihren Dienst und besitzt deshalb einen hohen Bekanntheitsgrad. Der Bremsbelag liegt – wie der Name bereits suggeriert – unmittelbar an der Felge des Rads an. Durch einen einfachen Handgriff presst dieser sich an und verringert auf diese Weise die Fahrtgeschwindigkeit. Vorzugsweise verwenden Hersteller ein gummiartiges Material. Grund für das große Aufkommen in der Produktion sind die niedrigen Herstellungskosten. Gleichzeitig fällt das Eigengewicht gering aus und eventuelle Wartungsarbeiten verlaufen schnell und unkompliziert. Außerdem erlaubt die Felgenbremse eine sehr präzise Kontrolle der Bremsgeschwindigkeit und neigen weniger zur Überhitzung.

Allgemein fällt die Belastung auf Gabel und Rahmen wegen der weit außen liegenden Position recht gering aus. Bei starkem Regenwetter nimmt die Bremsleistung spürbar ab. Wasser wirkt wie ein Gleitmittel auf den Felgen und vermindert den Anpressdruck des Belages. Zudem neigt das Element zu einem raschen Verschleiß und erhöhter Aufnahme von Schmutzpartikeln. Zu den häufigen Vertretern der Felgenbremse gehören die Zangenbremse sowie die Cantilever-Bremse.

Zangenbremse

Zangenbremsen, oft auch als Seitenzugbremsen bezeichnet, bewegen sich als einheitliches Element. Der Greifarm der Konstruktion ist zangenförmig über der Felge an einem Gelenk angebracht. Manche Modelle besitzen sogar mehrere Gelenke. Betätigung der Bremse führt die Bremsschuhe an den Enden seitlich an die Felgen heran. Voraussetzung ist eine ausreichende Länge der Zangengreifarme. Der notwendige Abstand zur Bereifung macht dies erforderlich. Ansonsten würde die Bremse den Reifen beschädigen und eine unberechenbare Gefahr darstellen.

Cantilever-Bremse

Die Cantilever-Bremse hat zwei individuelle Greifarme. Dadurch erfolgen Bremsmanöver bei jeder Einheit unabhängig voneinander. Voraussetzung für deren Gebrauch bleibt ein angepasstes Grundgerüst. Diese Art von Bremse benötigt einen individuellen Canti-Sockel als spezielle Haltevorrichtung an Gabel und Sitzstreben. Rennräder verzichten allerdings auf die Cantilever-Technik. Grund dafür ist eine zu filigrane Gabelscheide. Im Radsport ist daher nach wie vor die Seitenzugmechanik anzutreffen.Insgesamt unterscheiden die Hersteller bei dieser Klassen zusätzlich vier Einzelkategorien.

Mittelzugbremse

Prinzipiell ähnelt die Mittelzugbremse in weiten Teilen der Zangenbremse. Allerdings verbindet ein Brückenstück den Querzug und entspricht damit einer sehr klassischen Bauart. Vor allem in den 60er bis 80er Jahren fanden diese Bremsen vielfältige Verwendung. Kennzeichnend für diesen Typ ist ein sehr kurzer Zug in Kombination mit einem gewöhnlichen Bremshebel. Die Platzierung des Sockels erfolgt direkt unter der Felge. Dank der effizienten Konstruktion fällt die Geschwindigkeitsreduktion sehr kraftvoll aus.

In modernen Fahrrädern fristet die Mittelzugbremse eher ein bescheidenes Dasein. Alternativen haben die einst dominante Variante vom Markt teils verdrängt. Prominentes Opfer davon ist die U-Brake. Bei diesem Typ sitzen die Befestigungspunkte oberhalb der Felge. Heute spielt die U-Brake kaum noch eine nennenswerte Rolle – im Gegensatz zu ihrer Blütezeit in den 80er Jahren.

V-Brake

Die V-Brake ist eine Schöpfung und gesicherte Marke des Bremsenherstellers Shimano. Kennzeichnend für diese Kategorie ist ein separater Querzug, der die Hebelwirkung der Direktzugbremse spürbar erhöht. Ebenfalls markant ist der horizontal verlaufende Zug zwischen den beiden Armen. Wegen der hohen Hebelwirkung und Bremsleistung macht dieses Design spezielle Bremsgriffe erforderlich.

Nur mit einem verringerten Hebelzug können Fahrradfahrer so Bremsmanöver in angemessenem Maß dosieren. Sonderausstattungen mit Parallelogrammschwinge garantieren eine stets parallele Führung des Bremsenschuhs. Der fast horizontale Weg bis zur Felge bei Aktivierung der Bremse gilt als Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Vertretern der Cantilever-Bremsen.

Roller-Cam-Bremse

Als Vorläufer der U-Brake basiert die Konstruktion der Roller-Cam-Bremse auf einem dreiseitigen Exzenter mit sägezahnartigen Bremsarmen. Die kurzfristig hohe Beliebtheit dieses Typs basiert auf einem Modetrend der 80er Jahre. Im Gegensatz zu anderen Cantilever-Bremsen ragen diese nicht über den Rahmen des Rades hinaus und erhöhen so die optische Harmonie.

Gerne gesehen war zu dieser Zeit auch die Installation unterhalb der Kettenstreben. Aufgrund der außergewöhnlichen Stellung bei der Montage und Sockelposition oberhalb der Felge erhöht sich der Aufwand beim Reifenwechsel. Auch das exakte Einstellen der Bremsen für den optimalen Betrieb beansprucht mehr Zeit. Gleichzeitig ist das System mit Standardsockeln der Cantilever-Bauart nicht kompatibel.

Nabenbremsen

Nabenbremsen verrichten ihre Arbeit weitaus näher am Radzentrum: Entweder liegt die Bremse in oder zumindest recht nahe an der Nabe – ein klarer, optischer Unterschied gegenüber Felgenbremsen. Physikalisch bedeutet dies mehr Stress für die Speichen. Die Konstruktion wiegt mehr als die leichtgängigen Gegenstücke an den Felgen und auch der Wartungsaufwand erfordert mehr Geduld. Allerdings wächst als Ausgleich die Zuverlässigkeit. Nabenbremsen besitzen eine hohe Bremsleistung und halten diese selbst unter nassen Einsatzbedingungen aufrecht.

Scheibenbremse

Vom Funktionsprinzip arbeiten Scheibenbremsen an Rädern ähnlich wie bei einem Kraftfahrzeug. Eine separate Scheibe an der Nabe dient als Anlaufpunkt der Bremsbeläge. Die optimierte Ableitung der Reibungswärme prädestinieren diesen Typ für rasante Geschwindigkeiten mit zahlreichen Bremsaktionen.

Downhill und Tandemfahren gelten als favorisierte Disziplin. Die Beläge bestehen meist aus einer Kunststoffmischung. In früheren Zeiten fand dagegen das heute als giftig bekannte Asbest Anwendung. Allgemein unterliegen die Felgen keinerlei Verschleißerscheinungen, da eine separate Bremsscheibe für den Bremsvorgang dient.

Löcher in der Bremsscheibe dienen einer besseren Belüftung während des Betriebs. Ein wichtiger Aspekt bleibt die Skalierung. Besteht Bedarf nach einer erhöhten Bremskraft, bringen größere Bremsscheiben den erwünschten Schub an Leistung. Aktuell erfreut sich diese Mechanik bei Herstellern erhöhter Popularität. Mountain-, Trekking-oder Crossbikes greifen immer häufiger auf die Scheibe anstelle der Felgenbremse zurück.

Festsattelbremse

Der Bremssattel ist mit zwei Kolben fest an der Randaufhängung angebunden. Die Kolben führen die Bremsbeläge gleichzeitig von beiden Seiten an die Scheibe heran. Durch den ausgeübten Druck lässt sich das Fahrrad verlangsamen. Ein sogenannter Bowdenzug dient als Verbindungskabel zwischen Handbremse und Endstück an der Nabe. Variationen der Kabellänge gehen mit einer Abweichung der Bremsleistung einher. Daher dient die Länge als Kontrollmechanismus für die Feineinstellung der gewünschten Bremsstärke.

Mechanische Vertreter setzen häufig nur auf den Gebrauch eines einzigen Kolbens. Der hydraulische Typ nutzt im Gegenzug meist zwei Kolben und funktioniert nur unter Verwendung von Bremsflüssigkeit. Hierbei kommen geläufige Bremsflüssigkeiten von Kraftfahrzeugen sowie Mineralöle zum Einsatz. Eine Ausführung arbeitet mit einer beweglichen Bremsscheibe. Der Druck des Kolbens schiebt diese auf den gegenüberliegenden, fixen Bremsbelag.

Schwimmsattelbremse

Schwimmsattelbremsen nutzen nur einen Bremskolben. Die Bremsscheibe ist auf der Radnabe befestigt, während ausschließlich die Belagführung mit der Radaufhängung in Verbindung steht. Der bewegliche Bremszylinder ist hingegen schwimmend gelagert. Anfangs drückt der Kolben den Belag auf die starre Bremsscheibe. Durch die Blockade bei Kontakt kommt die Bewegung zum Erliegen. Der schwimmende Sattel verschiebt sich wegen des Anpressdrucks in die entgegengesetzte Richtung und führt den gegenüberliegenden Bremsbelag ebenfalls an die Scheibe.

Rücktrittbremsen

Vom technischen Gesichtspunkt sind Rücktrittbremsen aus der Mode gekommen. Dennoch gelten sie als echte Klassiker. Viele Hersteller verwenden in Deutschland weiterhin diesen Typus – primär in Fahrrädern für Kinder. Die Erste ihrer Art verbaute Ernst Sachs, deutscher Industrieller und Erfinder. Es handelt sich dabei um eine Freilaufnabe mit Rücktrittmechanik zum Bremsen. Die Mechanik ist an der Nabe des Hinterrades eingelassen. So besitzen Räder meist zwei voneinander autark arbeitende Bremseinheiten: normale Handbremsen für das Vorderrad sowie die Rücktrittbremse. Eine Kombination unterschiedlicher Typen bleibt sinnvoll. Als alleinige Bremsvorrichtung besitzt sie dauerhaft nicht über die notwendige Zuverlässigkeit. Trotzdem existieren es auch vorteilhafte Eigenschaften.

  • geringer Wartungsaufwand
  • unabhängige System reduzieren Risiko des Totalausfalls
  • Witterung besitzt keinen nennenswerten Einfluss auf die Bremsleistung
  • keine Abnutzung der Felgen

Fahrradbremsen mit Rücktritt bieten also zusätzlichen Schutz. Allerdings gibt es entscheidende Nachteile, die zu einer gewissen Unberechenbarkeit führen können. Sollte die Kette während der Fahrt abspringen, versagt die Bremsmechanik vollkommen und ist ohne Funktion. Gleichzeit hängt die optimale Bedienung von der momentanen Lage der Pedale ab. Liegen beide in vertikaler Position zueinander, mindert dies die Effektivität des Bremsvorganges beträchtlich. Es existiert daher immer eine minimale Verzögerung, bis diese tatsächlich wie vorhergesehen greifen können. Zudem haben Fahrradfahrer nur eine unzureichende Kontrolle über die Stärke der Bremsleistung. Bremsvorgänge fallen daher meist sehr ruppig aus. Nutzung bei langen Fahrten in Richtung Tal provoziert zudem die Überhitzung des Materials. Im ungünstigsten Falle kann die Bremse dann Schaden nehmen. Rückwärtiges Ausparken erfordert außerdem viel Feingefühl, da die Pedale blockieren und die Beinfreiheit einschränken. Aus diesen Gründen gilt die Rücktrittbremse im Bereich der ausgereiften Produkte für Jugendliche und Erwachsene als obsolet.

Fahrradbremsen für Kinderräder

Kontroverse Positionen sind häufiger bei dem Verbau in Kinderrädern zu vernehmen. Gewöhnliche Bremsgriffe sind für kleine Kinderhände schlecht zu erreichen. Auch fehlt der notwendige Kraftaufwand für eine korrekte Bedienung. Eine genaue Einstellung erfordert viel Fingerspitzengefühl auf der Herstellerseite. Eltern müssen beim Kauf also genau abwägen, wie viel Bedeutung sie diesem Merkmal beimessen. Hauptgrund dürfte nach wie vor die hohe Robustheit und die geringen Produktionskosten der Rücktrittbremse sein.

Rollenbremse und Trommelbremsen

Bremsen mit Rollen oder Trommeln arbeiten auf ähnliche Art wie eine Rücktrittbremse. Die Installation von Bremskörpern erfolgt ebenfalls an der Nabe. Dadurch bleiben sie selbst bei rauen Wetterbedingungen beständig in ihrer Leistung. Auf unebenem Terrain nimmt die Leistung jedoch ab.

Interessant: Das Pedal dient nicht länger als auslösendes Element. Es entfällt also die Problematik des optimalen Winkels zur Betätigung der Bremse während der Fahrt. Wie auch bei der Scheibenbremse existiert hier eine zentrale Scheibe, die allerdings primär der Kühlung dient. Die Bremsmechanik basiert auf um die Nockenscheibe montierte Rollen innerhalb der Bremstrommel. Deren Druck auf die Trommelwand führt zu einer Geschwindigkeitsverringerung.

Allerdings fällt die Dosierung für geschmeidige Bremsmanöver recht schwierig. In Notsituationen droht eine Blockade des Rads mit gefährlichen Konsequenzen. Der Hersteller Shimano, Entwickler und Vertreiber dieser Fahrradbremse, umgeht diese Schwäche mit einem Power Modulator. Dieser schwächt die Leistung der Bremse ab, verzögert die Übertragung und garantiert ein angenehmeres Fahrerlebnis. Trotz dieser entscheidenden Verbesserung gelten diese auf dem Markt als vergleichsweise selten. Die Trommelbremse basiert auf dem gleichen Prinzip, nutzt aber Bremsblöcke anstellen von Rollen.

Fahrradbremsen – Vorschriften, Empfehlungen und Wartung

Allgemein gesehen unterliegt es der freien Entscheidung des Konsumenten, welche Fahrradbremsen er letztendlich bevorzugt. Wichtig ist zu beachten, dass laut StVZO in Deutschland jedes Fahrrad zwingend über zwei Fahrradbremsen besitzen muss. Damit sollen Unfälle durch Versagen der Technik ausgeschlossen werden. Die tatsächliche Effektivität oder der Typus unterliegt aber keiner direkten Vorschrift.

Eine Prüfung durch Fachkräfte im Zyklus von einem Jahr ist empfohlen. Mechanischer Abrieb oder Verlust an hydraulischer Bremsflüssigkeit beeinträchtigen sonst schleichend das Bremsverhalten. Erklingt ein unnatürlich stark quietschendes Geräusch beim Gebrauch von Felgenbremsen, so sind diese meist verunreinigt. Leichte Unebenheiten auf der Oberfläche sorgen für die akustischen Phänomene. Einfaches Schleifpapier genügt dann meist zur Reinigung der betroffenen Regionen.


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